Alpine Straße der Romanik
Begeben Sie sich auf die Spuren der Alpinen Straße der Romanik
Kloster Marienberg
Burgkapelle St. Stephan
St. Benedikt Kirche in Mals
St. Sisinius Kirche
St. Margareth Kirche
St. Benedikt Kirche
Burgkapelle St. Stephan
Burgkapelle St. Stephan
Schloss Tirol
St. Jakob Kirche
St. Kathrein Kirche
Kloster Marienberg
St. Kathrein Kirche

Auf den Spuren der Romanik

Eine Zeitreise in die Welt der Säulenfresser und Meerjungfrauen

In romanischen Kirchen findet man Fabelwesen, Meerjungfrauen, Kentauren und Säulenfresser. Doch was haben diese Figuren in Kirchen zu suchen? Begeben Sie sich auf die Spuren der „Alpinen Straße der Romanik – Stiegen zu Himmel“ in Südtirol und Graubünden und lernen Sie mehr über diese fabelhafte Epoche. Eine Reise auf den Spuren der Romanik führt seine Besucher unweigerlich in unbekannte und versteckte Ecken von Südtirol. Wer also Lust hat, Orte zu besuchen, die auf Tripadvisor noch nicht breitgetreten wurden, dem sei eine Entdeckungstour zu den romanischen Stätten Südtirols empfohlen.
Die Romanik

Zwischen Gut und Böse

Und ich sah: ein Thron stand am Himmel;
[…] Und über dem Thron wölbte sich ein Regenbogen
[…] und in der Mitte, rings um den
Thron, waren vier Lebewesen […] Und jedes
der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen
und innen voller Augen. Sie ruhen nicht bei
Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig,
heilig, ist der Herr, der Gott, Der Herrscher
über die ganze Schöpfung; er war, und er ist,
und er kommt. (Apk 4, 1–8)


Was wie das Drehbuch eines neuen Hollywood-Blockbusters von Steven Spielberg klingt, ist ein Auszug aus dem neuen Testament und beschreibt das Zeitalter der Romanik. Diese Epoche lässt sich zeitlich grob zwischen den Jahren 950 und der Mitte des 13. Jh. ansiedeln.

Der romanische Stil ist in seinem Aufbau streng, oft monumental und hierarchisch. Architektur und Bilderkosmos werden wie ein Schrein entworfen, die Malerei unterstreicht die Architektur und entwickelt sich je nach Wichtigkeit des Dargestellten vom Sockel bis zum Gewölbe. Das Allerheiligste mit der Apsidenzone, dem Triumphbogen und den seltenen Chorgewölben ist dabei der bedeutendste Teil der Ausstattung. Es sind also nicht unbedingt charakteristische Formen in Architektur und Malerei, welche den romanischen Stil kennzeichnen. Ausschlaggebend ist ihr theologischer Grundgedanke, der sich unabhängig von Jahreszahlen als roter Faden durch die romanische Kunst zieht. Eine Weltanschauung, welche mehr als ein Stil ist. Es ist eine geistige Idee, die zu einem Bauwerk, zu einer Malerei oder zu einer Skulptur wird.

In den Kirchen findet man Fabelwesen, Meerjungfrauen, Kentauren und Säulenfresser. Diese Unwesen bevölkerten nach damaliger Weltanschauung die Randzonen der flachen Erdscheibe. Sie verdeutlichen den Gegensatz zwischen göttlicher Ordnung und Chaos. Der Maler solcher Szenen wird zu dieser Zeit auch nicht als Künstler wahrgenommen. Er ist ein unbekannter Handwerker, der im Dienst eines höheren Ganzen steht, der für seine Auftraggeber einen illustrierten theologischen Kosmos schafft.
Das Projekt

Alpine Straße der Romanik

„Alpine Straße der Romanik – Stiegen zum Himmel" ist ein länderübergreifendes Projekt (Südtirol und Graubünden), das kulturhistorische romanische Stätten wie Burgen, Schlösser, Kirchen, Kapellen, malerische Dörfer und mittelalterliche Städte in unterschiedlicher Kultur-und Naturlandschaft in den Mittelpunkt stellt. Die Alpine Straße der Romanik rückt sowohl kleine und unbekannte, als auch große bekannte Kulturstätten wie z.B. Schloss Tirol, Kloster St. Johann in Müstair und das Benediktinerstift Marienberg in den Fokus. Aktuell eint das Netzwerk, bestehend aus 25 Partnerstätten, die Kultur und Kunst der Romanik mit ihren Symbolen und charakteristischen Bauelementen.

Der Rundbogen steht im Allgemeinen symbolhaft für die Kunst der Romanik. Bereits die altrömische Architektur bediente sich dieser Form und perfektionierte sie. Die keilförmigen Steine werden radial aneinandergesetzt, der Schlussstein im Scheitel des Bogens stabilisiert die Form. Das Gewicht der Steine und darüber liegender Lasten werden dabei über den Halbkreis nach unten geleitet, sodass der Rundbogen hohen Belastungen standhält.

Die Romanik übernimmt diese Bauform nach antikem Vorbild. Halbkreis und Quadrat, das sich aus den Pfeilern oder Säulen ergibt, die den Bogen tragen, werden zur idealen Maßeinheit der Romanik. Aus diesen beiden geometrischen Formen setzen sich Grundriss und Aufriss von Gebäuden zusammen: das Vierungsquadrat, die Breite und Höhe von Kirchenschiffen, die Aufteilung der Geschosse, die Höhe von Säulen, Pilastern oder Pfeilern und nicht zuletzt die Gewölbeform.

Der Rundbogen steht also nicht zufällig auch symbolisch für die „Alpine Straße der Romanik – Stiegen zum Himmel“. Der Bogen ist Symbol der Romanik und steht zudem für eine Verbindung der romanischen Kulturstätten des Landes miteinander, er steht für das Schlagen von Brücken und für ein vereinendes Gemeinsames. Die romanischen Stätten, Städte, Burgen, Kirchen, Kapellen und Klöster entstanden entlang wichtiger Handels- und Pilgerrouten, die über die Alpen führten. Hier entwickelten sich kulturelle Zentren, deren Architektur und Malerei einen bis heute nahezu einzigartig erhaltenen Schatz romanischer Kunst bergen.