Das ist Anlass genug, um der Poesie den Hof zu bereiten und mit allen Gästen zu feiern.
„Ein Gastmahl“ heißen die diesjährigen Literaturtage Lana. Damit lädt Literatur Lana zu einem Fest ein, das der Verein zum 40. Geburtstag feiert und daran erinnert, dass die Literaturtage von Beginn an ein Ort der Begegnung und Zusammenkunft waren, ein Ort der poetischen Rede und der Zwischenrede im Sinn des Dialogs, den Platon zur geselligen Form für das literarische Gespräch erhob und mit der Frage nach dem Wirken des Gottes Eros betraute. Möglicherweise ist die Dichtung ein quecksilbriges Experiment dieses Gottes, der sie in die Sehnsucht nach dem Schönen streute.
Wo sonst die zeitgenössische Literatur das Wort hat, geht das Festival heuer zunächst weit zurück: nämlich zu den Ursprüngen der europäischen Dichtung. Mit Angela Winkler hört es auf Homers „Ilias“, deren Gesänge sich mächtig und erschütternd über alles menschliche Gewusel und Gemetzel erheben. Und wenn ihr Zentrum die Gewalt ist, dann ist die „Ilias“ nicht nur unsere älteste Dichtung; in Zeiten voller Kriege und Gewalt ist sie, bei aller historischen Distanz, auch eine der jüngsten.
Weil es aber um Dichtung geht und weil sie in Lana, wie immer schon, mehrsprachig auftritt, stellen auch die 40. Literaturtage wieder Poesie in mehreren Sprachen vor: Aus Belarus kommen mit dem Pflaŭmbaŭm Verlag, der mittlerweile im Exil seinen Sitz hat, Maria Badzei, Tanja Skarynkina und Alena Kazlova, aus Rumänien die unerbittliche Dichterin Miruna Vlada im Gespräch mit Ernest Wichner, und Dichtung aus Slowenien trägt Ludwig Hartinger mit dem Klassiker Srečko Kosovel vor, weiters Aleš Šteger mit dem herzzerreißenden Akkordeonspieler Jure Tori sowie Anja Zog Golob, deren Verse in Wucht und Zärtlichkeit die Körperlichkeit beschwören. Aris Fioretos, der österreichische Grieche aus Schweden, stellt in einer Premiere das Graue Buch auch Deutsch in Lana vor und von den Rändern Italiens her bricht die Dialektdichtung mit ihrer Eigenart, ihrem Widerstand und ihrer pochenden Vitalität in die literarische Landschaft ein. Mit Gian Mario Villalta und Edoardo Zuccato erkundet Theresia Prammer ihre pulsierende Vielfalt.