Eintauchen in die Magie der Vergangenheit: ein Sommerabend auf Schloss Lebenberg
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Eintauchen in die Magie der Vergangenheit: ein Sommerabend auf Schloss Lebenberg

Eine alte Burganlage offenbart sich mir, nimmt mich mit auf eine geheimnisvolle Reise, bezaubert und führt mich von Raum zu Raum, von Geschichte zu Geschichte, durch die Vergangenheit.

Ich betrete den Spiegelsaal, exakt am Höhepunkt eines magischen Augenblicks. 

Um diese Uhrzeit ist es in dem weitläufigen, prächtigen Rokokosaal ein nie enden wollendes Licht- und Schattenspiel von Widerscheinen und Spiegelungen.  Viele Male sehe ich mein Antlitz, gebrochen von Lichtstrahlen, in den venezianischen Spiegeln reflektiert. Ich deute einen Tanzschritt an und mein Ebenbild multipliziert sich im Raum, erfüllt ihn.  Einsam ist diese Stunde und ich vermeine das Echo der Feste und Feiern zu hören.  Das Lachen von Edeldamen, am Arm ihrer Ritter, scheint nachzuklingen, fröhlich und anmutig, in dieser abendlichen Illusion. Es scheint mir, Geigenklänge zu vernehmen und hunderte Kerzen flackern zu sehen, im Anblick von Gold, Schimmer und rauschenden Röcken. Mit der Hand streife ich über den weißen, kunstvoll verzierten Kachelofen und die Klaviertasten. 
Burgen & Schlösser
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Die historische Vergangenheit von Lana und Umgebung erleben
Der Wiederhall meines Namens reißt mich zurück in die Realität. 

Mit einem letzten Blick verabschiede ich mich aus dem alles vereinnahmenden Spiegelsaal und entfliehe leichten Schrittes. Es gefällt mir, schier endlos von einem Schlosszimmer in das nächste zu wandeln. Den Bau der ersten Schlossflügel verantworten die Herren von Marling im 13. Jahrhundert. Ich durchquere den Rittersaal, bin gleichzeitig gefesselt und irritiert: Die Gesichter der Familie Fuchs von Fuchsberg, Eigentümer des Schlosses von 1426 bis 1828 (für ganze zwölf Generationen), scheinen mich von ihrem monumentalen Stammbaum aus zu beobachten. 264 Augenpaare blicken mich vom Wandfresko an, streng und hochmütig, so als drängten sie mich beinahe zum Davonschleichen. 

Obwohl ich jeden Winkel der Burganlage erkundet habe, werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mich in diesen Mauern auch verlieren könnte. Noch während ich an der imposanten, nach Tapferkeit vergangener Zeiten riechenden Waffenkammer entlang flaniere, glaube ich Stimmen aus dem Napoleonischen Saal im Empire-Stil zu vernehmen: Sie laden mich ein einzutreten und im Anblick eleganten Mobiliars und kostbarer Wandmalereien die Wärme am Ofen zu genießen. Aus den Augenwinkeln erspähe ich unten in den verwinkelten, mittelalterlichen Innenhöfen geschäftige Arbeiter bei ihren täglichen Aufgaben. Eifrig und frohgemut beeilen sie sich bei Sonnenuntergang die Arbeit zu beschließen, bevor die Nacht hereinbricht.
Ich gelange zum geometrisch angelegten Pflanzenlabyrinth im eleganten französischen Garten, schlage den Weg zum Weinberg rund um das Schloss ein und übersteige Reste antiker Schlossmauern, die wohl etliche Epochen überlebt haben. Aus der Ferne scheinen wie ein Lockruf rhythmisch und lebendig Glockenschläge an mein Ohr zu dringen. Die Burgkapelle zum Heiligen Stephan aus dem 14. Jahrhundert indes schweigt. 

Ich lasse mich auf einem großen Stein nieder. Von hier aus sehe ich die Rebzeilen, schier endlos, soweit das Auge reicht, symmetrisch und geordnet ins Weite verlaufen. Ich liebe diesen Ort, den Ausblick auf das Meraner Becken, den vollen, fleischigen Geruch nach reifen Früchten in der Luft. Die Sonne senkt sich hinab und Dunkelheit macht sich breit. Ich greife nach einer Weintraube, labe mich an ihrem Saft und Fruchtfleisch, einerlei wie klebrig Hände und Gesicht dabei werden. 

Plötzlich überkommt mich ein Frösteln. Ich muss mich beeilen. Es ist Zeit, zum Schloss zurückzukehren, bevor es dunkel wird. 
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