Zig Blumenzwiebeln schlummern unter einer gefrorenen Erdschicht in feuchter Erde. Das kräftige Wurzelwerk der Edelkastanien wacht im Winter schützend über sie – bis sie von ersten frühlingswarmen Sonnenstrahlen behutsam ans Licht gelockt werden. Zartgrün schieben sich Spitzchen aus bräunlichem Boden, länglich saftige Blätter bahnen sich ihren Weg an die noch kühle Luft und schützen die Narzisse, eine sonnengelbe Blume mit goldener Trompete und hellen Blütenblättern, die als Erste den Frühlingsbeginn verkündet. Vieles wird der Narzisse zugeschrieben: Sie symbolisiert Wiedergeburt und Erneuerung, steht für Zuversicht und Hoffnung, gilt als Blume des Selbstbewusstseins und der Eitelkeit. Ihre tragische Geschichte reicht bis in die griechische Mythologie zurück und wurde später vom römischen Dichter Ovid in den Metamorphosen erzählt: Narziss, ein Jüngling von außergewöhnlicher Schönheit, Sohn der Nymphe Liriope und des Flussgottes Kephissos, verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild und ertrinkt darin. Als die Nymphen herbeieilen, um ihn zu retten, finden sie an seiner Statt eine Blume vor: in der Mitte leuchtend gelb, eingefasst von weißen Blütenblättern.