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Schauspiel und Kunst
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Schauspiel und Kunst

Sie haben nicht nur die Müller-Augen gemeinsam. Was die Schauspielerin Deborah Müller mit ihrem Vater, dem Künstler Ernst Müller, verbindet, ist ihre tiefe Leidenschaft.

Er beschreibt sich selbst als geselligen Typ, sie sich als „die Debby va Lana“. Dabei ist Ernst Müller ein über die Landesgrenzen hinaus bekannter Künstler und seine Tochter Deborah eine ebenso bekannte Schauspielerin in München. Wenn die beiden Vielbeschäftigten dann doch einmal in der Heimat zusammen an einem Tisch sitzen, wird es bestimmt nicht langweilig, denn sowohl der „Tata“ als auch seine „Poppa“ führen ein Leben, mit dem man Bücher füllen könnte.

Leidenschaft ist ein großes Wort in eurer Familie – einmal für die Bühne und einmal für den Pinsel. Was genau bedeutet Leidenschaft für euch?
Ernst: Leidenschaft ist etwas, das dich vereinnahmt. Wenn ich eine Malphase habe, kann ich acht bis zehn Stunden im Atelier stehen, ohne mich nur eine Sekunde aus dem Haus zu bewegen. Da gehe ich ganz in der Malerei auf und es gibt kein Halten mehr.
Deborah: Ja, da wird einfach Energie frei. So geht es mir auch, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich brauche meinen Körper, um mich auszudrücken, und mein Vater braucht seinen Pinsel. Die Leidenschaft, mit der wir es tun, ist dieselbe.
Ernst: Wichtig ist nur, dass man trotz aller Leidenschaft immer kritisch mit sich selbst bleibt.

Bist du auch so selbstkritisch wie der Papa?
Deborah: Ich glaube, dass andere Menschen deshalb immer wieder gerne mit mir arbeiten, weil ich beim Spielen ein bestimmtes Gefühl transportieren kann. Und ich glaube, das entsteht dadurch, dass ich oft einfach unzufrieden mit mir bin und dann so lange probe, bis dieses Gefühl eben für mich passt. Erst dann kann ich es auch transportieren. Sonst muss ich etwas anderes finden. Und so ist es auch mit Papas Bildern.

Das Malen hat sich Ernst Müller selbst beigebracht.
Mit 14 Jahren hat er angefangen, mittlerweile ist er 65.
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Ernst, ich habe gehört, dass du Autodidakt bist. Stimmt das?
Ernst: Genau. Ich habe einmal in meinem Leben eine Ferienakademie besucht, aber einen Krug abzuzeichnen bringt mir einfach nichts. Mittlerweile habe ich über 50 Jahre Malerei hinter mir und bin heimlich auch ein bisschen stolz darauf. Ich habe nie gemalt, um damit Geld zu verdienen, sondern aus Freude an der Malerei. Mir hat keiner etwas gezeigt. Ich habe immer selbst beschlossen, was ich mache und wie ich es mache.

Ist Ernst ein Sturschädel oder wie würdest du ihn beschreiben, Deborah?
Deborah: Stur nicht, eher zielstrebig würde ich sagen. Der „Tata“ ist ganz Familienmensch und sehr sozial – auf ihn ist einfach Verlass. Wenn ich ihn heute anrufen und ihm sagen würde, dass es mir nicht gut geht, wäre er als Erster da, um mir zur Seite zu stehen. Er geht mit mir einfach durch dick und dünn, und genau das schätze ich an ihm so sehr.
Ernst: Das höchste Gut nach der Gesundheit ist eben die Familie und für die Familie muss man da sein. Eine intakte Familie kann man mit keinem Geld der Welt aufwiegen.

Und wie würdest du hingegen Deborah beschreiben?
Ernst: Ich brauche nur in den Spiegel schauen, dann sehe ich meine „Poppa“. (Beide lachen.)
Deborah: Mensch, bin ich schön! (Lacht noch lauter.)

Also habt ihr viel gemeinsam oder wie darf man das verstehen?
Ernst: Ja, von der Power und der Zielstrebigkeit her sind wir sicher gleich.

Für dich als leidenschaftlichen Bergsteiger sind das bestimmt zwei Eigenschaften, die man auch beim Klettern gut gebrauchen kann?
Ernst: Genau. Beim Klettern müssen Körper, Geist und Seele im Einklang sein, damit man den Gipfel erreicht. Auch im Leben geht es immer bergauf und bergab. Erst im Nachhinein versteht man aber, dass man einen Abstieg hinter sich bringen musste, um auf den nächsten Gipfel zu gelangen. Man darf nur den Mut nie verlieren. Sonst wären wir beide nicht da, wo wir jetzt sind. In der Kunst aber erreicht man den Gipfel des Berges nie. Der Weg hat kein Ende, man muss ständig an sich arbeiten, um sich weiterzuentwickeln und irgendwann der Nachkommenschaft bestimmte Zeugnisse hinterlassen zu können.
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Was willst du mit deinen Bildern hinterlassen?
Ernst: Die alte Architektur, die hier in Südtirol verloren gegangen ist. Bei manchen Höfen war der Abriss unumgänglich, aber viele historische Bauernhöfe wurden nur abgetragen, damit neue Bauten entstehen konnten. Das ist schade. Ich habe diese Höfe in den letzten 35 Jahren in einem Wettkampf mit der Zeit festgehalten.

Wenn Ernst Müller von seiner Kunst erzählt, beginnt er lebhaft zu gestikulieren und seine blauen Augen werden plötzlich ganz dunkel.

Und wo arbeitest du an deinen Werken?
Ernst: Ich habe immer von einem eigenen Atelier geträumt, aber nie geglaubt, dass der Wunsch in Erfüllung gehen würde. Aber mit Glück, Arbeit und Gottvertrauen hat es geklappt und nun sitzen wir hier vor meinem „Schlössl“, der größten Müller-Skulptur, die es gibt.

Ernst Müller führt mich in sein „Schlössl“, das alte Haus, das er in mühevoller Kleinarbeit saniert und umgebaut hat. Im Erdgeschoss befindet sich sein Atelier: bemalte Leinwände, Farben, Fotos und Modellbauten, in der Mitte ein riesiges Porträt des rot gekleideten Papst Ratzinger. Ernst Müller stellt sich daneben, kramt in alten Fotos und erzählt dazu aus seinem Leben.

Erzählst du gerne von dir, Ernst?
Ernst: Im Leben ist es wichtig, von sich selbst überzeugt zu sein, ohne aber das Wörtchen „ich“ groß zu schreiben.
Deborah: (lächelt) Das ist das, was ich von meinem Vater gelernt habe, die Bodenhaftung. Und das ist auch das, was die Menschen an mir schätzen. Manche können es einfach nicht glauben, dass ich immer noch dieselbe bin wie früher. (Deborah blickt ihren Vater an.) Er ist immer mein Vorbild gewesen. Ich wollte immer so werden wie mein „Tata“ und jetzt werde ich meinem „Tata“ immer ähnlicher – zum Glück.
Deborah Müller ist ausgebildete Sozialbetreuerin und hat mit 24 den Weg zur Schauspielerei gefunden. Von 2006 bis 2009 hat sie an der Neuen Münchner Schauspielschule studiert und ist mittlerweile ein gefragtes Gesicht für Werbespots, die Theaterbühne und verschiedene Filme und Serien im Ausland.

Ernst Müller ist Künstler und Vater von drei Kindern. Seine Ölbilder malt er „mit der Seele“. Der gebürtige Vinschger ist Autodidakt und hat stets selbst an seiner Weiterentwicklung gearbeitet. Sein Lieblingsmotiv sind Bauernhöfe, die er in Spachteltechnik farbenfroh darstellt.
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