Wie sieht nun ein typischer Arbeitstag eines Archivars aus? Simon Terzer erzählt, dass keiner dem anderen gleicht, sondern vielmehr vom Wechsel unterschiedlicher Aufgaben geprägt ist. Im Zentrum seiner Arbeit stehen Erwerb, Erschließung und Pflege von Archivmaterial. Oft beginnt der Tag mit der Ankunft neuer Dokumente – wie Akten, Fotografien oder Tonaufnahmen – aus Nachlässen, öffentlichen Ämtern oder privaten Sammlungen. Mitunter führen ihn seine Recherchen aber auch in Keller und auf Dachböden: staubige, kühle Orte, an denen seit Jahren Materialien weitestgehend unbeachtete lagern. Nach Sicherung und Überführung in – wenn möglich – geeignete, beheizte Arbeitsräume werden die Dokumente sorgfältig gesäubert, geordnet und in passende Archivbehältnisse überführt, bevor sie in Datenbanken erfasst werden. Diese Phase verlangt Geduld und Präzision und wird gleichzeitig von einer subtilen Entdeckungsfreude begleitet. Für zusätzliche Bewegung im Arbeitsalltag sorgen interne Anfragen oder jene von Forschenden, die die Qualität der Katalogisierung immer wieder auf den Prüfstand stellen. Oft wird auch die Digitalisierung von Dokumenten, Fotografien oder Filmmaterial für Publikationen, Ausstellungen oder Medien in Auftrag gegeben. Eine Arbeit die technisches Know-how und Sorgfalt erfordert, insbesondere bei der Qualität der finalen Aufbereitung. Simon Terzer bestätigt, dass die Technologie viele Arbeitsschritte erleichtert hat, von der Erstellung von Datenbanken bis hin zur raschen Beantwortung von Anfragen mithilfe von Handyfotos. Gleichzeitig erschweren begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen in kleineren Einrichtungen häufig die Einführung moderner Softwarelösungen oder umfassender Digitalisierungssysteme.
Zu den spannendsten Aspekten seines Berufs zählt für Simon Terzer die Verbindung von Recherche und Rekonstruktion. Archivarbeit lebt von Recherche, von unerwarteten Zusammenhängen und von Geschichten, die aus verstaubten Akten und alten Büchern wieder auftauchen. An Herausforderungen mangelt es dabei wahrlich nicht: Dazu gehören etwa die gleichzeitige Betreuung mehrerer Projekte oder die sprichwörtliche „Eroberung“ eines chaotischen und ungepflegten Archivs vor der eigentlichen Katalogisierung – beidesArbeitsfelder, die ein gewisses Organisationstalent erfordern. Denn für Ordnungsliebhaber wie ihn ist es die größte Befriedigung, wenn ein Archiv nach und nach Struktur annimmt und schließlich für die Nutzung zugänglich wird. Als Freiberufler hat Simon Terzer zudem die Möglichkeit, mit ganz unterschiedlichen Realitäten in Berührung zu treten, die von Venedig bis Wien reichen: Archive adeliger Familien, bäuerliche Sammlungen alter Höfe, klösterliche Bestände und Unternehmensarchive zählen dazu. Entgegen mancher Vorstellung, so berichtet der Archivar, ist der tägliche Austausch mit Menschen ein zentraler Bestandteil der Archivarbeit. Auftraggeber wie Gemeinden, Klöster, Privatpersonen oder Unternehmen sind häufig auf der Suche nach Dokumenten mit rechtlicher Relevanz. Hinzu kommen leider immer seltener, und das bedauert Simon Terzer sehr, Studierende, die bei der Suche nach Materialien begleitet werden wollen, welche im Internet nicht zugänglich sind. Weitere Besucher:innen der Archive sind Lokalhistoriker:innen, Chronist:innen, Genealog:innen und Forschende, die in Archiven zu Recht unschätzbare Wissensschätze sehen.