Im Gespräch erzählt die Gastgeberfamilie Alber, warum Natur der wichtigste Protagonist des Hauses ist, weshalb Authentizität wichtiger als Trends bleibt und wie aus kleinen Momenten bleibende Erinnerungen entstehen.
Das MIRAMONTI Boutique Hotel gehört nun zu den „101 besten Hotels“. Was bedeutet diese Auszeichnung persönlich für euch – jenseits von Marketing und Prestige?
Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung. Aber viel wichtiger als die Auszeichnung selbst ist die Bestätigung, dass unser Weg verstanden wird. Wir haben nie versucht, Trends hinterherzulaufen oder ein Hotel für Rankings zu bauen. Unser Ziel war immer, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen wohlfühlen, zur Ruhe kommen und gerne wiederkommen. Wenn eine internationale Jury das erkennt, sehen wir das vor allem als Anerkennung für unser Team und für viele Jahre konsequenter Arbeit. Es zeigt uns, dass Authentizität, Qualität und eine klare Haltung langfristig ihren Wert haben.
Viele Luxushotels setzen auf Größe und Opulenz. Das MIRAMONTI Boutique Hotel wirkt dagegen bewusst reduziert und intim. War das von Anfang an eine Überzeugung oder auch ein Risiko?
Es war beides.
Unsere Überzeugung war immer: Wenn das Panorama so schön ist, muss das Interieur nicht laut sein. Wenn die Natur so präsent ist, braucht es keine Inszenierung. Wir wollten Räume schaffen, die den Blick freigeben und nicht von ihm ablenken.
Natürlich war das ein Risiko. Aber heute sehen wir, dass viele Gäste genau das suchen: Ruhe, Authentizität und Orte, die ihnen Raum geben statt sie zu beeindrucken.
Die Landschaft rund um Hafling spielt im Erlebnis des Hauses eine große Rolle. Wie übersetzt man Natur in Gastlichkeit, ohne dass es zur Kulisse wird?
Indem man die Natur respektiert und nicht versucht, sie zu kopieren. Für uns beginnt das bei der Architektur und endet bei den Erlebnissen, die wir unseren Gästen ermöglichen. Die Landschaft ist nicht etwas, das man anschaut, sondern etwas, das man erlebt. Gäste können direkt vom Hotel in den Wald gehen, auf die Berge, in die Ruhe. Beim Forest Breakfast, bei einer Wanderung durch die Lärchenwälder oder beim Entspannen im Onsen (Anm.: ikonischer Pool) mit Blick auf die Berge wird die Natur Teil des Tages. Wir versuchen nicht, Natur künstlich zu inszenieren. Vielmehr schaffen wir Räume und Momente, die die Verbindung zur Umgebung stärken. Die Natur ist bei uns der Hauptdarsteller.
Boutiquehotels leben stark von Persönlichkeit. Wie viel von euch selbst steckt heute noch im täglichen Betrieb und wo musstet ihr lernen, loszulassen?
Sehr viel.
Das MIRAMONTI Boutique Hotel trägt unsere Handschrift in fast allen Bereichen. Viele Entscheidungen treffen wir noch immer selbst. Sei es bei Designfragen, bei neuen Projekten oder bei der Weiterentwicklung des Hauses.
Gleichzeitig haben wir gelernt, Verantwortung zu teilen. Ein Hotel dieser Größe kann heute nur funktionieren, wenn Menschen Verantwortung übernehmen dürfen. Loszulassen bedeutet für uns nicht, weniger präsent zu sein, sondern Vertrauen zu schenken und Menschen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam mit uns an diesem Ort weiterzubauen.
Nachhaltigkeit ist in der Hotellerie inzwischen Pflichtvokabular. Welche Entscheidungen waren für euch wirtschaftlich zunächst schwierig, aber langfristig richtig?
Wir arbeiten bewusst mit Handwerkern und Betrieben aus der Region zusammen. Das erfordert manchmal mehr Aufwand, schafft aber Qualität, Verantwortung und langfristige Beziehungen.
Rückblickend waren das die richtigen Entscheidungen. Sie stärken die Qualität, die Unabhängigkeit und letztlich auch die Glaubwürdigkeit eines Hauses.
Gäste erinnern sich selten an Quadratmeterzahlen, aber oft an kleine Momente. Gibt es eine Begegnung oder Anekdote, die für euch den Spirit des MIRAMONTI Boutique Hotel besonders gut beschreibt?
Es gibt viele solcher Momente.
Besonders berührend ist es, wenn Gäste nach Jahren zurückkommen und sagen, dass sie sich noch an einen bestimmten Sonnenaufgang, an ein Forest Breakfast, an ein Gespräch am Kamin oder an ein Glas Wein im Tea Room erinnern.
Für uns zeigt das, dass Gastfreundschaft nicht aus großen Gesten besteht. Oft sind es die kleinen, echten Begegnungen und Erlebnisse, die bleiben. Genau darin liegt für uns der Spirit des Miramonti.
Südtirol verbindet alpine Tradition mit internationalem Anspruch. Wie spiegelt sich diese Spannung in Küche, Design und Service eures Hauses wider?
Wir sehen das weniger als Spannung, sondern als eine große Chance.
Südtirol ist geprägt von unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Einflüssen. Gleichzeitig gibt es hier eine starke Verbundenheit mit Handwerk, Natur und Tradition.
Im Miramonti versuchen wir nicht, Tradition zu inszenieren. Uns interessieren die Menschen, die Materialien und die Geschichten dieser Region. Daraus entstehen unsere Küche, unsere Architektur und auch unsere Art Gastgeber zu sein.
Viele unserer Gäste kommen aus aller Welt. Aber am Ende schätzen sie genau das: einen Ort, der authentisch ist und eine echte Verbindung zu seiner Umgebung hat.
Der Luxusreisemarkt verändert sich: Gäste suchen weniger Statussymbole, mehr Sinn und Ruhe. Spürt ihr diesen Wandel konkret in den Erwartungen eurer Gäste?
Absolut.
Vor einigen Jahren standen Ausstattung und sichtbarer Luxus stärker im Vordergrund. Heute fragen Gäste häufiger nach Naturerlebnissen, nach Nachhaltigkeit, nach Gesundheit und nach Möglichkeiten, wirklich abzuschalten.
Erlebnisse wie Forest Bathing, eine Wanderung direkt vom Hotel aus, Zeit im Onsen Pool, ein Nachmittag am Infinity Pool oder eine Weinverkostung im Keller werden oft stärker geschätzt als klassische Luxusangebote.
Der Wunsch nach Ruhe, Qualität und Authentizität ist deutlich gewachsen. Viele Menschen suchen heute nicht mehr den spektakulärsten Ort, sondern den Ort, an dem sie sich am besten fühlen.
Wenn ihr das MIRAMONTI Boutique Hotel heute neu eröffnen würdet: Welche Idee würdet ihr sofort wieder umsetzen und welche vermutlich nicht mehr?
Wir würden wieder auf die Verbindung von Architektur, Natur und Gastfreundschaft setzen. Das ist bis heute die Grundlage unseres Hauses.
Was wir heute vielleicht anders machen würden, ist weniger die Idee selbst als die Geschwindigkeit. Manche Entwicklungen würden wir langsamer angehen und uns noch mehr Zeit nehmen, Dinge wachsen zu lassen.
Was wünscht ihr euch, dass ein Gast denkt, wenn er am letzten Morgen vor seiner Abreise aus dem Fenster schaut?
Wir hoffen, dass er nicht nur an das Hotel denkt.
Sondern an den Duft der Lärchen, an einen besonderen Moment im Spa, an eine Wanderung durch den Wald, an ein gutes Glas Wein oder an die Menschen, denen er hier begegnet ist.
Wenn ein Gast das Gefühl hat, neue Energie gefunden zu haben und mit schönen Erinnerungen nach Hause fährt, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Und vielleicht denkt er dabei schon daran, wiederzukommen.
MIRAMONTI Boutique Hotel