Hier treffen Erfahrung und neue Ideen aufeinander, Bewährtes auf Veränderung und manchmal auch unterschiedliche Vorstellungen davon, wohin der gemeinsame Weg führen soll. Genau darin liegt für die Familie eine besondere Stärke: das Hotel Restaurant Oberwirt weiterzuentwickeln, ohne seine Wurzeln aus den Augen zu verlieren.
Im Gespräch erzählt die Familie Reiterer Mittelberger, was ihnen heute wichtig ist, was echte Gastfreundschaft für sie bedeutet und warum Vöran weit mehr ist als der Standort ihres Hauses. Es geht um Familie, um Veränderung, um Verantwortung und um die Frage, was bleiben soll, wenn sich vieles weiterentwickelt.
In eurem Betrieb arbeiten zwei Generationen unter einem Dach. Wie gelingt es euch, unterschiedliche Erfahrungen, Ideen und Sichtweisen zu einer gemeinsamen Handschrift zu verbinden?
Bei uns treffen tatsächlich mehrere Generationen aufeinander – und damit natürlich auch unterschiedliche Vorstellungen und Sichtweisen. Das ist nicht immer ganz einfach, aber genau darin liegt auch eine unserer Stärken.
Die ältere Generation bringt sehr viel Erfahrung mit und kennt das Haus, seine Geschichte und seine Entwicklung über viele Jahre. Die jüngere Generation bringt neue Ideen und einen anderen Blick auf die Dinge ein. Wir versuchen, beides miteinander zu verbinden und nicht gegeneinander auszuspielen.
Wichtig ist für uns, dass man miteinander spricht und offen für die Ideen des anderen bleibt. Nicht jede Idee wird sofort umgesetzt, aber wir hören einander zu. So entwickelt sich der Oberwirt weiter, ohne dass wir vergessen, wo unsere Wurzeln liegen.
Das Hotel Restaurant Oberwirt ist seit Generationen eng mit Vöran verbunden. Welche Werte haben sich über die Jahre bewahrt und welche mussten sich verändern, damit der Betrieb zukunftsfähig bleibt?
Geblieben sind vor allem die persönliche Betreuung, die Herzlichkeit und die Verbundenheit mit Vöran. Wir möchten, dass sich unsere Gäste bei uns wirklich willkommen fühlen und nicht einfach nur ein Zimmer buchen.
Gleichzeitig hat sich natürlich sehr viel verändert. Die Wünsche und Erwartungen der Gäste sind andere geworden, die Möglichkeiten haben sich verändert und auch wir als Familie haben andere Vorstellungen davon, wie wir den Oberwirt führen möchten.
Wir haben unser Haus deshalb immer wieder weiterentwickelt – baulich, aber auch in unserer Ausrichtung. Für uns bedeutet Zukunftsfähigkeit nicht, alles Alte hinter uns zu lassen. Vielmehr geht es darum, das, was sich bewährt hat, zu bewahren und gleichzeitig offen für Neues zu sein.
Als Mitglied der Südtiroler Gasthäuser steht ihr für gelebte Wirtshauskultur. Was bedeutet Gastfreundschaft für euch in einer Zeit, in der sich die Erwartungen der Gäste ständig verändern?
Gastfreundschaft bedeutet für uns vor allem, aufmerksam zu sein und den Menschen, der vor uns steht, wahrzunehmen. Jeder Gast ist anders und hat andere Wünsche. Es ist schön, wenn man manchmal schon merkt, was jemand braucht, bevor er danach fragen muss.
Natürlich haben sich die Erwartungen verändert und vieles ist heute individueller geworden. Aber die Grundidee ist für uns dieselbe geblieben: Man soll sich bei uns wohlfühlen, gut aufgehoben sein und gerne wiederkommen.
Und Gastfreundschaft bedeutet für uns auch, persönlich und authentisch zu bleiben. Wir möchten kein anonymes Hotel sein, sondern ein Familienbetrieb, in dem man die Menschen dahinter spürt.
Der Tschögglberg ist kein Ort für schnellen Durchgangstourismus. Welche Chancen bietet diese besondere Lage für einen Familienbetrieb und welche Herausforderungen bringt sie mit sich?
Gerade dass man nicht einfach zufällig durch Vöran fährt, ist für uns auch eine große Chance. Wer zu uns kommt, entscheidet sich ganz bewusst für diesen Ort. Unsere Gäste suchen Ruhe, Natur und Abstand vom Alltag – und genau das können wir bieten.
Natürlich bringt die Lage auch Herausforderungen mit sich. Wir sind kein Ort, an dem man einfachvorbeikommt. Deshalb müssen wir unseren Gästen zeigen, was diesen besonderen Platz ausmacht.
Gleichzeitig ist es für uns essenziell, online sichtbar zu sein und unsere Besonderheiten im Marketing authentisch zu vermitteln. Wir möchten die Ruhe, die Überschaubarkeit und die besondere Atmosphäre des Tschögglbergs gezielt kommunizieren, damit die Menschen auf uns aufmerksam werden, die genau diese Art von Urlaub suchen.
Viele Gäste suchen heute Ruhe und Entschleunigung. Glaubt ihr, dass das Hochplateau den Menschen eine andere Art des Urlaubs ermöglicht? Was kann ein Aufenthalt am Hochplateau, das ein Hotel im Tal nicht bieten kann?
Ja, davon sind wir überzeugt. Schon die Anreise nach Vöran verändert ein bisschen die Geschwindigkeit. Oben angekommen, ist man weg vom Trubel und trotzdem nicht abgeschnitten. Bei uns geht es viel um Weite, Ruhe und den Blick in die Berge. Man kann direkt vom Haus aus loswandern und hat die Natur unmittelbar vor der Tür und rund um sich.
Morgens kann man einfach vor die Tür gehen, tief durchatmen und direkt in die Landschaft eintauchen. Man muss nicht ständig etwas unternehmen. Das Hochplateau gibt einem die Möglichkeit, wieder mehr bei sich selbst anzukommen und den Urlaub etwas langsamer anzugehen.
Viele der Entscheidungen, mit denen ihr Verantwortung für Umwelt und Menschen übernehmt, sind für Gäste nicht unmittelbar sichtbar. Welche Veränderung im Hotel Restaurant Oberwirt hat im Alltag den größten Unterschied gemacht, auch wenn sie für Gäste kaum sichtbar ist?
Für uns beginnt Verantwortung im täglichen Arbeiten. Es sind oft nicht die großen Dinge, die den größten Unterschied machen, sondern viele kleine Entscheidungen: bewusster mit Energie und Wasserumzugehen, Ressourcen nicht unnötig zu verbrauchen, regionale Produkte einzusetzen und Abläufe immer wieder zu hinterfragen.
Vieles davon nimmt der Gast gar nicht wahr. Aber genau das gehört für uns dazu. Ein nachhaltigeres Angebot muss nicht immer sichtbar oder spektakulär sein. Es sollte im Alltag selbstverständlich werden und langfristig gedacht sein.
Regionale Küche lebt von den Menschen dahinter. Welche Produzenten oder Partnerschaften aus der Umgebung prägen die Küche des Restaurants Oberwirt besonders und warum?
Wir legen großen Wert darauf, mit Menschen aus der Region zu arbeiten, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen. Für uns ist es schön, wenn wir nicht nur ein Produkt einkaufen, sondern auch wissen, wer dahintersteht und mit welcher Leidenschaft es hergestellt wird.
Dabei geht es für uns nicht darum, zwanghaft alles regional zu machen. Entscheidend sind für uns Qualität, Herkunft und ein gutes Miteinander mit unseren Lieferanten. Wo es sinnvoll ist, greifen wir auf Produkte aus Südtirol und unserer näheren Umgebung zurück.
Diese Verbindung zwischen unserer Küche, den regionalen Produkten und den Menschen dahinter möchten wir auch unseren Gästen vermitteln. Denn für uns gehört gutes Essen genauso zu Südtirol wie die Landschaft und die Menschen, die hier leben und arbeiten.
Ein Familienbetrieb entwickelt sich mit jeder Generation weiter. Gibt es eine Idee der jüngeren Generation, die anfangs Mut gekostet hat und sich heute als Erfolg erwiesen hat?
Ich glaube, die größte Veränderung war, dass wir uns getraut haben, den Oberwirt Schritt für Schritt neu zu denken.
Gerade bei einem Familienbetrieb mit einer langen Geschichte ist Veränderung immer auch eine Frage des Mutes. Man möchte das, was über Generationen aufgebaut wurde, nicht einfach verändern, sondern weitertragen.
Die Weiterentwicklung unseres Hauses, besonders im Bereich Wellness und bei der Ausrichtung auf Erholung und Entschleunigung, war deshalb ein wichtiger Schritt. Heute merken wir, dass diese Verbindung aus unserer Geschichte, moderner Qualität und der Ruhe des Ortes sehr gut zu uns passt.
Viele Gäste suchen heute nicht nur eine Unterkunft, sondern einen Bezug zum Ort. Wie gelingt es euch, Vöran und den Tschögglberg als Teil des Urlaubserlebnisses erlebbar zu machen?
Für uns beginnt das ganz persönlich. Wir erzählen unseren Gästen gerne von Vöran, geben Tipps für Wanderungen und besondere Plätze und empfehlen auch Dinge, die man vielleicht nicht unbedingt im Reiseführer findet.
Vieles entsteht dabei einfach im Gespräch. Wenn ein Gast wissen möchte, wo man schön spazieren kann, welche Wanderung sich an einem bestimmten Tag besonders eignet oder wo man einen besonderen Ausblick hat, geben wir gerne unsere persönlichen Erfahrungen weiter.
Wir möchten, dass unsere Gäste nicht nur in Vöran wohnen, sondern den Ort wirklich kennenlernen. Die Landschaft, die Menschen, die Traditionen und die Ruhe des Tschögglbergs gehören für uns genauso zum Urlaub wie unser Haus.
Wenn ihr das Hotel Restaurant Oberwirt nicht mit Zahlen, Zimmern oder Angeboten beschreiben würdet: Welche drei Eigenschaften machen euer Haus aus?
Herzlich. Persönlich. Echt.
Herzlich, weil wir unsere Gäste gerne umsorgen.
Persönlich, weil wir ein Familienbetrieb geblieben sind und der direkte Kontakt für uns wichtig ist. Und echt, weil wir nicht versuchen möchten, etwas anderes zu sein, als wir sind.
Was wäre für euch ein Zeichen dafür, dass das Hotel Restaurant Oberwirt auch in Zukunft genau das bleibt, was er heute ist: ein lebendiger Teil von Vöran?
Für uns wäre es schön, wenn der Oberwirt auch in Zukunft ein Haus bleibt, zu dem die Menschen aus Vöran und Umgebung eine Verbindung haben. Ein Ort, an dem man zum Essen kommt, auf einen Kaffee, auf ein Gespräch oder einfach, weil man sich hier wohlfühlt.
Gleichzeitig wünschen wir uns, dass unsere Gäste Vöran nicht nur als Urlaubsort sehen, sondern wirklich eine Verbindung zu unserem Dorf und zum Tschögglberg entwickeln.
Wenn der Oberwirt sich weiterentwickeln kann und trotzdem ein Teil von Vöran bleibt, wenn sich Einheimische und Gäste bei uns begegnen und wir auch in Zukunft unsere Türen für beide offenhalten können, dann wäre das für uns ein sehr schönes Zeichen.
Denn ein Familienbetrieb darf und muss sich verändern. Aber er sollte dabei seine Wurzeln nicht vergessen.
Wenn ihr an die Geschichte eurer Familie und des Oberwirts denkt: Was möchtet ihr bewahren und was möchtet ihr der nächsten Generation mit auf den Weg geben?
Der Oberwirt ist für uns nicht nur ein Hotel, sondern ein Stück Familiengeschichte. Viele Entscheidungen, die wir heute treffen, haben deshalb nicht nur mit Wirtschaftlichkeit zu tun. Wir denken auch daran, was wir der nächsten Generation einmal übergeben möchten. Wir möchten die Geschichte des Oberwirts weitertragen, aber gleichzeitig den Mut haben, unsere eigene Geschichte zu schreiben.