Vor zehn Jahren wurde am Kleinen Ifinger ein Klettersteig eröffnet, der seither Bergsportfans aus nah und fern begeistert. Der Heini-Holzer-Klettersteig verbindet spannende Passagen mit einem einzigartigen Panorama und ist ein Stück lebendige Berggeschichte.
Die Südwestflanke des Ifingers schien dem Meraner Bergführer Peter Vanzo wie geschaffen für einen Klettersteig mit Gipfelziel, damals eine Rarität. „Wir hatten keinen einzigen Klettersteig in der Nähe und mussten immer in die Dolomiten ausweichen“, erinnert er sich. „Der Ifinger schien mir ideal, denn anders als viele Klettersteige, die irgendwo im Fels enden, bietet er ein Gipfelziel.” So entstand aus der Idee ein Projekt, das nach anfänglicher Skepsis in der Politik dank der Unterstützung durch die Hotellerie und später durch den Alpenverein tatsächlich umgesetzt werden konnte.
Die rund achtwöchige Bauzeit war eine logistische Herausforderung. „Wir waren zu viert, und das Material wurde unter anderem per Hubschrauber angeliefert”, berichtet Vanzo. Von Mai bis Juli arbeiteten die Männer bei Wind und Wetter, selbst bei Schneefall. Schon während der Bauphase zog der entstehende Steig neugierige Einheimische an, die nach Feierabend die teils noch ungesicherte Route testeten.
Schon vor der offiziellen Einweihung im September 2016 war absehbar, dass der Klettersteig ein großer Erfolg werden würde. An Spitzentagen wagten bis zu 500 Personen den Aufstieg, und bis Jahresende wurden fast 5000 Begehungen gezählt. Auch heute, zehn Jahre später, ist der Heini-Holzer-Klettersteig bei Gästen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Was ihn so besonders macht? „Es sind nicht die technischen Schwierigkeiten, sondern das Erlebnis“, weiß Vanzo. „Der Blick über Meran und das Burggrafenamt, das Gefühl am Gipfel.“ Der Klettersteig wurde bewusst im mittleren Schwierigkeitsgrad gehalten, damit er für möglichst viele machbar ist. Unerfahrene allerdings sollten sich zunächst an einfacheren Routen versuchen oder mit einem Bergführer aufbrechen, rät Vanzo.
Seinen Namen verdankt der Klettersteig dem Extremskifahrer und Alpinisten Heini Holzer. Die Idee, ihn nach dem Schenner Pionier des Steilwandfahrens zu benennen, entstand bei einem Planungstreffen. Peter Vanzo erinnert sich: „Wenn ich jemandem erklären wollte, wo die Route verlaufen sollte, sagte ich immer: Dort, wo der Heini mit den Skiern runtergefahren ist. Diese Linie kannte jeder.“ Holzer war nicht nur für seine waghalsigen Abfahrten bekannt, sondern auch für seinen Erfindergeist. Seine geringe Körpergröße von 1,53 Metern veranlasste ihn zur Entwicklung des sogenannten „Griff-Fiffi“, eines Verlängerungswerkzeugs, mit dem er beim Klettern weiter entfernte Haken und Sicherungspunkte erreichen konnte. Tragisch endete Holzers Leben 1977 bei seiner 104. Steilwandabfahrt an der Nordostwand des Piz Roseg in der Schweiz. Heute erinnert die Route nicht nur an seinen Mut und seine Leidenschaft, sondern hält auch die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Bergmenschen lebendig.
Auch ein Jahrzehnt später ist Peter Vanzo noch immer regelmäßig mit Gästen hier unterwegs. „Ich würde alles wieder genauso machen“, sagt er und lächelt zufrieden. Dass der Heini-Holzer-Klettersteig auch in Zukunft nichts von seiner Anziehungskraft verlieren wird, daran zweifelt der erfahrene Bergführer nicht: „Es geht nicht nur um Sporttrends, sondern um das Gipfelerlebnis – und das ist hier einfach einzigartig.“
Heini-Holzer-Klettersteig kompakt:
Länge: ca. 1 km
Höhenmeter: rund 550 Hm
Schwierigkeit: mittel (A, B, stellenweise B/C)
Dauer: 3–4 Stunden Aufstieg, plus ca. 30 Min. bis zum Großen Ifinger (weitere 81 Hm)
Saison: begehbar von Mai bis Oktober
Zugang: mit der Seilbahn Meran 2000 oder der Umlaufbahn Falzeben bis Piffinger Köpfl