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Europas Wanderdörfer
Mythoslandschaft in den Ötztaler Alpen weiterlesen ...
Europas Wanderdörfer
Das Schnalstal, seine Natur und seine Ortschaften zählen - in vielerlei Hinsicht - zu den herausragenden Kleinoden in den Alpen. Seit 2018 gehört das Schnalstal zu „Europas Wanderdörfern“. Aus ihrer Vielfalt erzählen nun die schönsten Flecken des Tales ihre Geschichten. Das Schnalstal erwandern heißt: kleine Hingucker, Anekdoten und Wissenswertes am Wegesrand.
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"Alles hat hier schon mehr Kraft und Leben." Johann Wolfgang von Goethe - Zitat, als er in Südtirol ankam
Nach dem Motto „Ein Tal in Bewegung“ spannt sich von Kurzras bis zum Meraner Höhenweg ein Netz von Wanderwegen. Der Hirtenstab und „die Schofschoad“ (Sammelstelle für Schaftrieb) finden sich als stetig wiederkehrende Symbole auf dem Leitweg. Der Hirtenstab symbolisiert die Geschichte des Schnalstales: Von der Berg-ins-Tal Besiedelung, von den Hirten, den Schafen und der alten, lebendigen Tradition der Wanderweidewirtschaft. Bekannt als „Transhumanz“ und in Österreich seit 2011 aufgeführt in der Liste der Kulturgüter, welche in das immaterielle Unesco-Kulturerbe aufgenommen werden sollen, führt der Schafübertrieb nicht nur über Gletscher zu den üppigen Sommerweiden, auf welchen seit Menschengedenken Weiderechte der Schnalser Bauern bestehen – sondern auch über die Staatsgrenze vom Schnalstal hin ins Ötztal. Ab Mitte Juni weiden bis zu 4.000 Schafe auf den blühenden Hochalmen jenseits des Hoch- und Niederjoches. Kommen sie Mitte September wieder ins Tal, werden sie in der „Schofschoad“, dem eingefriedeten Pferch, nach ihren Farbmarkierungen zusammengeführt und, aus der Obhut des Hirten, wieder an „ihre“ Besitzer übergeben.
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Als linkes Seitental des Vinschgaus, beginnt bei Naturns das Schnalstal und führt hin bis zum Alpenhauptkamm. Der Name „Schnals“ leitet sich möglicherweise vom romanisch-lateinischen Wort „casinales“ ab, was so viel wie Sennhütten bedeutet. Denn die baumfreien, hochgelegenen Weideflächen wurden lange bevor die Römer um 15 v. Chr. unser Land erreichten, von den Ureinwohnern geschätzt und genutzt. So trieben bereits
die „Venosten“ – die Ureinwohner des Vinschgaues, ihr Vieh durch das Schnalstal.

Als etwa 600 n.Chr. bajuwarische Siedler in den – bis dahin von Rätoromanen besiedelten - Vinschgau - einzogen, wurden neue Siedlungsplätze zum begehrten Gut. Zwischen 8.-11. Jhdt. löste die Sense, die Sichel als Rodungswerkzeug ab und erleichterte die Gewinnung von Weideflächen, Äcker, Wiesen, auch im Schnalstal. Es war der Beginn von Landwirtschaft und Viehzucht.

Das Schaf domestizierte die Menschen und umgekehrt. Durch das Schaf wurde Sesshaftigkeit und Wohlstand möglich. Seine Wolle und sein Fleisch galten als Währung (pecus – davon pecora – Schaf) und für den Schnalser Loden benutzte man sogar ein eigenes Maß – die kurze Meraner Elle. Das war ein Privileg.
Wie ein Dom in den Bergen
Die Wallfahrtskirche Unser Frau
Wie ein Dom in den Bergen
Die Ortschaft Unser Frau, ehemals „Untervernagg“ genannt, verdankt seinen heutigen Namen einer kleinen Marienstatue. Zu deren Verehrung erbaute man eine Kirche, die später zur heutigen, schmucken Wallfahrtskirche vergrößert wurde. Von Bedeutung war die Ortschaft „Untervernagt“ wohl auch im Mittelalter. Die kürzeste Nord-Süd-Verbindung über den Alpenhauptkamm aus dem süddeutschen Raum in die Gegend südlich der Alpen ging über das Hochund Niederjoch und der Ort Unser Frau wurde zu einer beliebten Einkehr für Pilgerreisende.

Der größte Ort des Schnalstales vereint das Ober- und Unterdorf und liegt inmitten von steilen Wiesen und Abhängen, auf 1500 Metern Meereshöhe. Zwischen die typischen Schnalser Bauernhöfe, welche aus sonnengeschwärzten, dunkelbraunen Lärchenhölzern
gezimmert sind, schmiegen sich nun etliche moderne Neubauten.
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"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen!" - Johann Wolfgang von Goethe
Der Leitweg

BEWEGTER MENSCH. BEWEGTES TAL. RUNDGANG.

Der Leitweg beginnt mit dem „Höfeweg“ und führt von der hintersten Ortschaft Kurzras (2.011 m ü.M.) vorbei am ehemals höchstgelegenen Getreidehof der Ötztaler Alpen, dem Finailhof (1.973 m ü.M.), nach Vernagt am See (1.700 m Ü.M.). Nach Überquerung des Staudammes führt der „Waldweg“ weiter in den Wallfahrtsort Unser Frau. Turmhohe Lärchen säumen den Weg.

Ab Unser Frau (1500 m ü.M.) lädt „Der Weg der Stille - Via Monachorum“ ein: die Stille ist zwischen Vogelstimmen und Wasserrauschen zu vernehmen. Der Weg führt ins Dorf Karthaus (1.323 m ü.M.), dem ehemaligen Kartäuserkloster. Nun führt der alte
Talweg hinab zum Gasthaus Neuratheis (960 m ü.M.). Dort beginnt der ansteigende „Kirchweg“ in das Dorf Katharinaberg (1.245 m ü.M.); Einstieg zum Meraner Höhenweg.

Alte Namen, wie „Der Waldweg” oder „Der Kirchweg” weisen in die Geschichte des Tales und laden Wanderer ein, sich der Umgebung mit allen Sinnen zu öffnen.