Der Sissi-Weg
Auf kaiserlichen Spuren durch Meran flanieren
Der Sissi-Weg

Der Sissi-Weg

Auf kaiserlichen Spuren durch Meran flanieren


Der bekannteste und beliebteste Themenweg in Meran ist der Kaiserin Elisabeth von Österreich gewidmete „Sissi-Weg“. Der Weg verbindet die Gärten von Schloss Trauttmansdorff mit dem Stadtzentrum über elf Etappen und Sehenswürdigkeiten.

Sissi oder Sisi?


Die unterschiedliche Schreibweise rührt von verschiedenen Auffassungen her: Historiker halten sich an die Sisi- oder Lisi-Schreibung, Filmfreunde auf der ganzen Welt bzw. Gäste aus dem nicht deutschsprachigen Raum kennen die Kaiserin nur als Sissi, weshalb in Meran die Schreibung mit Doppel-s bevorzugt wird.

Die Etappen

1. Kurpromenade und Kurhaus
Sehen und gesehen werden
Seit 1850 ist die Kurpromenade die touristische Lebensader von Meran. Bis 1918 trug sie zu Ehren der kaisertochter den Namen "Gisela-Promenade". Kaiserin Sissi war beinahe täglich mit ihrer Tochter Gisela und ihrer jüngeren Schwester, der Herzogin Sophie von Alençon, in den Kuranlagen zu sehen.

Prunkstück der Stadt
Mit dem 1874 eröffneten Kurhaus hatte Meran eine neue Attraktion. 1914 wurde das neoklassizistische Gebäude um einen prachtvollen Jugendstilbau nach Plänen des bekannten Wiener Architekten Friedrich Ohmann erweitert. Ohmann hatte unter anderem die Hofburg in Wien geplant.

2. Elisabeth Park
Majestätisches Lustwandeln
1860 wurde hier mit der Pflanzung von Zedern, Kiefern und Linden sowie der Anlage von Spazierwegen begonnen. Anlässlich des Besuchs des österreichischen Kaiserhofs und zu Ehren der Tochter von Kaiserin Elisabeth traufte man den Park 1870 "Marie-Valerie-Anlage". In den Folgejahren wurde er mit Wasserspielen und einem Musikpavillon verschönert.
Heute heißt er "Elisabeth Park" und ist Teil der Sommerpromenade. An drückenden Sommertagen bietet der Park angenehme Frische. Die Marmorstatue der Kaiserin stammt vom Wiener Künstler Hermann Klotz; sie wurde 1903 enthüllt.
3. Wandelhalle
Promenieren im Jahresverlauf
Der Kurarzt Franz Tappeiner stiftete 1889 die Jugendstil-Wandelhalle an der Winterpromenade. Hier finden sich neben großformatigen Bildern auch die Ehrentafeln und Büsten jener Personen, die sich besondere Verdienste um den Kurort erworben haben.
Die Kurgäste suchten die sonnige und windgeschützte Promenade vor allem im Winter gerne zur Erholung auf. Die schattige Sommerpromenade erstreckt sich hingegen auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Passer.

4. Steinerner Steg

Übergang für Flaneure
Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist diese Brücke eine bequeme Verbindung zwischen den Grünanlagen von Obermais und dem Stadtzentrum. Sie wurde im 17. Jahrhundert anstelle einer schmalen Holzbrücke errichtet und ist die älteste erhaltene Brücke Merans; auf ihr sinnieren Feingeister dem Lauf der Passer nach. Flussaufwärts – hoch über der Gilfklamm – thront die Zenoburg.
5. Hotel Bavaria
Bayerische Reminiszenzen
Zwei Löwen flankieren den Eingang zum Hotel Bavaria. Die bayerischen Wappentiere erinnern an Karl Theodor, den Lieblingsbruder Sissis. Der bayerische Herzog war in Meran und Umgebung äußerst beliebt: Er rettete als Augenarzt vielen Bedürftigen durch kostenlose Operationen das Augenlicht.

6. Schloss Rottenstein
(Privatbesitz)
Standesgemäßes Quartier
Auch hier, im Schloss ihres Schwagers, verbrachte Sissi einen ihrer Meran-Aufenthalte. Urkundlich erstmals Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt, erwarb Erzherzog Karl Ludwig, Statthalter von Tirol und Bruder Kaiser Franz Josefs, 1863 Schloss Rottenstein.
7. Brunnenplatz
Obermaiser Gastlichkeit
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, der Pionierzeit des Kurwesens, gab es in Meran wenige Herbergen; die adeligen Kurgäste fanden ihre Unterkünfte vorwiegend in den mittelalterlichen Ansitzen des heutigen Villenviertels Obermais. Am Brunnenplatz, früher nach Sissis Schwager „Erzherzog-Karl-Ludwig-Platz“ benannt, wurde 1869 das erste Hotel der Kurstadt errichtet: das „Erzherzog Rainer".

8. Ansitz Reichenbach
(Privatbesitz)
Kurärztlicher Wohnsitz
Die Attraktivität eines Kurortes ist eng mit dem Ansehen seiner Kurärzte ver-bunden. Merans legendärer Kurarzt Franz Tappeiner lebte von 1854 bis 1902 in diesem Ansitz aus dem 14. Jahrhundert. Er war medizinischer Berater des Bürgermeisters Johann Valentin Haller und einer der Wegbereiter des Kurbetriebs. Der Tappeinerweg oberhalb von Meran geht auf seine Initiative zurück und wurde von ihm mitfinanziert.

9. Schloss Rubein
(Privatbesitz)
Märchenhaftes Refugium
Das Schloss aus dem 12. Jahrhundert liegt inmitten eines ausgedehnten Parks. Beim Besuch von Sissi im Herbst 1870 wurde ein Teil des 102 Personen zählenden Hofstaats in Schloss Rubein an der heutigen Theodor-Christomannos-Straße einquartiert. Christomannos hat sich übrigens große Verdienste um die touristische Erschließung der Dolomiten erworben. Sein Cousin Konstantin war viele Jahre lang Vorleser und ständiger Begleiter von Kaiserin Elisabeth.

10. Schloss Pienzenau
(Privatbesitz)
Verborgenes Kleinod
Der Weg zu dem 1394 erstmals urkundlich erwähnten Schloss führt durch einen üppigen Park mit stattlichen Mammutbäumen, Zedern und Kiefern. 1870, als Kaiserin Elisabeth samt Gefolge nach Meran kam, wurde die Scheune von Pienzenau zu einer Remise für den ansehnlichen Wagenpark und für die aus Wien mitgebrachten 27 Pferde umfunktioniert. Zudem wurde zwischen den Schlössern Pienzenau, Rubein und Trauttmansdorff eigens eine telegrafische Verbindung eingerichtet.
11. Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff & Touriseum (barrierefrei)
Blühende Gartenwelten und bewegte Tourismusgeschichte
Am sonnenverwöhnten Hang oberhalb Merans erstrecken sich seit 2001 die Gärten von Schloss Trauttmansdorff, wo in über 80 Gartenlandschaften Pflanzen aus aller Welt gedeihen. Mitten im botanischen Garten thront das Schloss, das Graf Trauttmansdorff um 1850 aus mittelalterlichen Ruinen wiederaufbauen ließ. Heute ist dort das „Touriseum“, Südtirols Landesmuseum für Tourismus, untergebracht. Eine Dauerausstellung des Touriseums ist Kaiserin Elisabeth gewidmet.
Auch in den Gärten selbst hat Sissi ihre Spuren hinterlassen. Der einst „anmuthige Fußpfad, mit feinem Kies bestreut“ führt heute durch einen steilen Flaumeichenwald zum „Matteo Thun’schen Gucker“. An Frühsommersonntagen kredenzen die Gärten auf der herrschaftlichen Sissi-Terrasse ein erhabenes „Frühstück bei Sissi“. Zudem sind sie Teil der sog. „Sisi-Straße“, einer rund 1.400 Kilometer langen Kulturroute, die auf den Spuren der Kaiserin durch sechs Länder (Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien, Griechenland und Schweiz) führt.
Aufgrund ihres einzigartigen Mixes von botanischem Garten und Freizeitattraktion, der gelungenen Verbindung zwischen Natur, Kultur und Kunst sowie ihrem unverkennbaren Innovationsgeist, wurden die Gärten bereits mehrfach – auch über die Landesgrenzen Südtirols hinaus – ausgezeichnet.