Wandern zwischen Wein und Waal
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Wandern zwischen Wein und Waal

Wasser zu Wein! Wenn der Herr den Wert von gutem Wein zu schätzen wusste und seine Kräfte dafür spielen ließ, so können wir es auch probieren...

Das haben sich die Mönche des Kartäuser Klosters Allerengelberg wohl gedacht – und sich für die Produktion ihrer Weine einen idealen Ort gesucht: In Marling, mit seinem mediterranen Klima und den sonnen- verwöhnten Lagen, wurde schon im 13. Jahrhundert Wein gekeltert. Die Kartäuser Mönche besaßen dort den Goidnerhof und ließen zur Bewässerung der Weinberge den Marlinger Waal bauen, noch heute versorgt er rund 300 Hektar Kulturgrund mit Wasser.

Waale sind ein typisch regionales Phänomen, besonders um Meran herum schlängeln sie sich kilometerlang an Bergrücken entlang und transportieren Wasser selbst an entlegene Höfe. Die meisten von ihnen sind heute auch Wanderwege. Der Marlinger Waalweg ist mit seinen 12 Kilometern der längste in Südtirol und noch dazu ein ganz unglaublich schöner: Von der Töll bis nach Lana zieht er sich, vorbei an Weinbergen, Apfelwiesen und Kastanienbäumen, im Wechselspiel durch schattenspendende Wälder und die weite Sicht in den Meraner Talkessel und auf die Texelgruppe. Es tut der Seele gut, entlang dieses historischen Wasserlaufs zu spazieren – die leichte Strömung hat eine ganz eigene Dynamik und wenn die Kinder im Sommer mit dem sprudelnden Wasser um die Wette laufen, ist der Weg auch nie zu weit.
Beständig wie das Wasser fließt auch der Wein in Marling
Die Traube prägt das Dorf landschaftlich wie kulturell, Reben schmiegen sich vom Tal bis hinauf in steile Höhen und wer das Dorf erkunden will, findet in her- vorragenden Restaurants und Gasthäusern viele Möglichkeiten, auf ein „Glasl“ einzukehren. Einen Abstecher wert ist die Kellerei Meran mit Sitz in Marling, die ist nämlich schon architektonisch ein Augenschmaus und dass sich in so einem Ambiente ein edler Tropfen noch schöner kosten lässt, versteht sich von selbst. Ihr stilistischer Gegenpol, der Rochelehof, wurde bereits im Jahr 1652 das erste Mal urkundlich erwähnt und birgt
heute viele alte Schätze – Nostalgiker werden sich hier zwischen antiken Geräten und Bauernregeln wohlfühlen.

Plonerhof, Popphof, Gruberhof, Pardellerhof
und das Weingut Eichenstein sind unabhängige Winzer, die seit Generationen hervorragende, eigene Weine und Sekte keltern. Bei einem Spaziergang am WeinKulturWeg kommt man an den meisten dieser Höfe vorbei und wer an einer der wöchentlich stattfindenden Führungen am Themenweg oder an einer Kellerführung mit Verkostung teilnimmt, lernt die hiesigen Weinhöfe und ihre Produkte auf eine ganz eindrückliche Art kennen: in zahlreichen Rebsorten und facettenreichen Weinen, in Familientraditionen und einer tiefen Verwurzelung mit der eigenen Zone, denn verarbeitet werden auf diesen Höfen ausschließlich Trauben der eigenen Weinhänge. Bei einer Steigung von bis zu 75 Prozent ist im Weingut Geier Bernhard viel Handarbeit und Kreativität gefragt – der exzellente Sekt „Steil“ ist die Mühe Wert und macht Marling einmal mehr zum „prickelnden Dorf“.

Mit insgesamt vier lokalen Sektproduzenten lässt sich dann auch gut anstoßen: beim WeinGutFest Ende Mai, auf verschiedenen Festen im Sommer, beim Törggelen oder im Rahmen der Marlinger Weinkuchl in ausgewählten Restaurants. Eine Kostprobe Lebensfreude, sprudelnd, wie das Wasser im Waal. Wohltuend, wie die laue Luft des Südens. Schön, wie der Blick in die Berge. Bis bald, in Marling!
Marlinger Waalweg: Spazieren und Grüßen
Marlinger Waalweg: Spazieren und Grüßen
Ein beliebter Spazierweg für die ganze Familie. Aber Achtung: Grüßen nicht vergessen.
Marlinger Weinkuchl
Marlinger Weinkuchl
Das Highlight zum Thema Wein in Marling